Was heißt hier Zukunftsaussichten?

Ferien gelten als die Zeit, in denen man sich endlich entspannen kann; vor allem auch Schule Schule und Aufgaben Aufgaben sein lässt. Man trifft sich mit Freunden, Ostern verleben die meisten im Kreise der Familie und auch ansonsten stellt sich nicht sofort schlechtes Gewissen ein, falls ein gesamter Tag herrlich unproduktiv verbracht wird. Vielleicht meldet sich sogar wieder mal Langeweile, und man kommt dazu, über all die Dinge der Kategorie ‚Später…‘ nachzudenken. Womit wir beim Thema wären: die Zukunft, ob und wie man sie sich vorstellt. 

Jeder kennt sie, die obligatorische Frage der Verwandten und Bekannten: „Und, was willst du nach der Schule machen?“ Viele zucken dann mit denn Schultern, gefolgt von einem verlegenem Lachen und der Antwort, man hätte, ehrlich gesagt, keine Ahnung.
Ja, was will man werden? Womit will man den Rest seines Lebens zubringen? Was kommt in den Jahren, in denen man für sich selbst verantwortlich wird und ist? Wohin wird einen der eigene Weg führen?
Diese Fragen bergen hunderte Entscheidungen, die es zu treffen gilt, und sie wirken groß und wichtig und schicksalhaft. Sie mögen es auch sein, angesichts der Tatsache, dass man ständig hört, einem stünden alle Möglichkeiten zur Verfügung, man müsse bloß das Abi passabel ablegen.
Ja, und dann? Man arbeitet im Fall der meisten Schüler unserer Schule mindestens zwölf Jahre mehr oder weniger zielgerichtet daraufhin, sich so viele Optionen wie möglich für die Zukunft offen zu halten. Die Krux? Am Ende ist es oft unglaublich schwierig, zu wissen, wie diese konkret aussehen sollen. Konventionelles oder duales Studium? Oder doch lieber Ausbildung? Und in welche fachliche Richtung sollte das überhaupt gehen? Es folgt: Schafft man den Numerus Clausus? An welche Uni, in welche Stadt?
Die Menge an Entscheidungen ist es letztendlich, die einen praktisch erschlägt und damit entscheidungsunfähig macht, denn häufig ist einem nicht klar, wo man anfangen soll. Wenn dem so ist, kann man genauso gut irgendwo anfangen, und dann Schritt für Schritt vorgehen. Die Schwierigkeit ist hauptsächlich, den ersten zu tun. Zukunftspläne schmieden heißt eben genau, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, inklusive der begleitenden Sorgen. Obwohl man schließlich alle bisherigen Pflicht- bzw. Standardsituationen wie die Schulzeit, Prüfungen jeglicher Art, Privatprobleme und andere Hindernisse gemeistert haben mag, fühlt man sich doch trotzdem nicht richtig vorbereitet für das, was unweigerlich auf einen zukommt: die vollständige Eigenverantwortung. Alles, was man tut, fällt auf einen selbst zurück.
Davon kann man sich erschrecken lassen, vor allem in Kombination mit dem gegebenen Überangebot an Auswahlmöglichkeiten. Schlechte Herangehensweise: deshalb den Ansatz zu einer Lösung wiederum auf ‚irgendwann später‘ verschieben, „fuck it“ sagen und weiter in den Tag hineinleben. Besser: man gibt sich nur dieses eine Mal den Ruck und setzt sich mit dem beschriebenen Übel auseinander, ohne es unnötig als immer größer werdendes Problem vor sich herzuschieben (und letztlich ansonsten völlig überfordert und planlos dazustehen).
Dass es einfach wäre, will ich nicht behaupten, aber das Schöne ist, dass keinerlei Notwendigkeit besteht, dass Plan A funktionieren muss. Und wenn erst Plan Z aufgeht, oder man sogar schon dachte, es gäbe keine Alternative mehr – sie existiert. Inwieweit diese nun von der Ursprungsvorstellung entfernt ist, wird letztlich nebensächlich, frei nach: „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich dafür eine andere.“. Eine gesunde Schicksalsergebenheit bezüglich der eigenen Erwartungen mag in diesem Fall bestimmt auch nicht schaden.
Denn es ist wie mit dem meisten im Leben; man kann aus Furcht jede Entscheidung lange genug hinauszögern, um sie durch die Zeit treffen zu lassen, und bereut diese Feigheit im Rückblick, oder man fasst sich ein Herz und verfolgt einen bestimmten Weg mit ungewissem Ausgang, den man schlimmstenfalls nach eigenen Maßstäben nicht unbedingt als erfolgreich betrachtet.
Wie kann man diesem Dilemma entkommen? Kaum, allerdings tendiert die Mentalität unserer Generation, der Generation Y, glücklicherweise dahin, dass die Zukunft eher dem Streben nach maximaler Zufriedenheit und nicht nach dem maximalen, jedoch im Grunde leeren Wohlstand (Stichwort Work-Life-Balance) verschrieben ist.
Konkret heißt dies, seine Zukunftsplanung zuerst anhand der eigenen Interessen zu orientieren, nicht nach Profit. Hier wieder als Beispiel die Studienwahl, also die Gestaltung der weiterführenden Ausbildung: natürlich ist es kaum sinnvoll, sich für Mathematik einzuschreiben, wenn man das Gebiet zwar hochinteressant findet oder sich später ein Topgehalt verspricht, in der Schule in dem Fach aber wesentliche Verständnisschwierigkeiten hatte. Doch falls man sich das Fach des Interesses und die Auseinandersetzung damit als einen festen Teil seines weiteren Lebens vorstellen kann, sollte man es versuchen, so ungewiss einem der Erfolg scheinen mag oder ausgemalt wird. Selbst wenn es dann nicht läuft, wie erwartet, besteht generell die Möglichkeit, sich für etwas anderes zu entscheiden.
Niemand ist verdammt zu einem einzigen Lebensweg. Pläne sind nur Pläne, nicht absolute Vorgaben. Veränderung ist möglich, auch wenn sie unkomfortabel erscheint. Man darf nur nicht den Fehler machen, aufzuhören es zu versuchen. Das wäre der einzige Weg, tatsächlich zu versagen.