Mittendrin

Es gibt Probleme, derer wird man sich erst bewusst, wenn man mittendrin steht. Zum Beispiel Schmusie, der Rottweiler von Erna Schabrulski, meiner Nachbarin. Zwei Mal am Tag (bei Nassfutter sogar noch öfter) steht Schmusie in unserer Straße und macht einen weltmeisterlichen Haufen. Frau Schabrulski tätschelt ihrem treuen Freund dann das Hinterteil und ein glückliches Lächeln umspielt ihren Mund. Ich allerdings spüre Schmusies Hinterlassenschaften meist mit den Schuhsohlen auf und der Ruf “SCH . . . . . .“ hallt durch die Luft, sowohl als Beschreibung des Fundstücks als auch als treffender Ausdruck meiner Befindlichkeit. In diesen Momenten überkommt mich immer wieder der Drang, mich vor Erna Schabrulskis Wohnungstür zu hocken und ihren Schmusie mal so richtig zu beschämen. Allerdings würde ich wohl auf die Streicheleinheiten meines verlängerten Rückrades verzichten müssen, oder vielleicht ja auch nicht?

Vormals war der Hund ja ein Raubtier und gar nicht so lieb zu den Menschen, sondern eher ein Konkurrent in Bezug auf die Nahrungsaufnahme. Aber schlau wie die Viecher nun mal sind, hat er sehr schnell mitbekommen, dass es viel bequemer ist, sich ein bisschen anzubiedern, den Bauch kraulen zu lassen und mit treuen Augen unterwürfig zum Zweibeiner aufzuschauen, als sich für sein bisschen Essen richtig anstrengen zu müssen. Dann kann man auch hinkacken, wo man will, der doofe Mensch macht das schon weg, außer Erna Schabrulski. Auch warnte er sein Herrchen vor Gefahren und half bei der Jagd mit. Diese Urinstinkte wurden diesen stolzen Jägern der Urzeit abgewöhnt, außer bei den Hunden der Rechtsradikalen. Aber bei denen (nicht den Tieren) sind wir ja wieder am Anfang der Geschichte. Es gibt Probleme, derer wird man sich erst bewusst, wenn man mittendrin steht. Und mal ehrlich, mir ist ein bisschen Hundeschiete da viel lieber.