,,Wer bei mir klingelt, wird erschossen!“

Der Oktober hat gerade erst angefangen und trotz alledem haben einige Leute jetzt schon ihre, wie ich es liebevoll nenne, Kürbistransformation vollzogen. Ja, auf einmal geht es in Gesprächen nur noch um Gruselmasken, Klingelstreiche und Kürbiscremesuppen.
Jedes Jahr aufs Neue wird meine Hoffnung, man sei da inzwischen rausgewachsen, zerschmettert. Auch Einladungen auf dubiose Halloween-Partys fordern eher den Teil meines Gehirnes, der verzweifelt nach Ausreden sucht und Krankheiten erfindet.
Bei anderen, so habe ich das Gefühl, werden eher Glückshormone wie die bei einer Schwangerschaft ausgeschüttet. Mit begeistertem Kopfnicken sagen sie zu, schlagen Kostüme vor und sind für jede Idee Feuer und Flamme. Die, muss man dazu sagen, nicht gerade Meisterleistungen sind. Von der weiblichen Seite kommen dann immer so Ideen wie: Krankenschwester, Katze, Barbie oder es wird sich ganz kreativ einfach ein Kratzer ins Gesicht geschminkt. Dazu sei gesagt, ab dem Erreichen des 16. Lebensjahres verwandeln sich diese Kostüme meistens in die sexy Version. Man spare einfach am Stoff und lege dafür eine extra Schicht Make-up auf, ta-da, bereit für die Party!
Die Herren der Schöpfungen haben es da leichter, entweder wird ein altes Bettlaken mit zwei Löchern versehen oder sie zeigen ganz stolz ihre Spielzeugwaffen vor und nennen das dann ,,Mafiaboss‘‘.
Vorerst genug über dieses Stadium. Viel wichtiger ist doch, dass die Kids ihre Süßigkeiten bekommen und Spaß am letzten Tag des Oktobers haben. Denkt man vielleicht. Die Wahrheit ist aber, dass man an dem Tag besser seine Klingel vor diesen Rotznasen verstecken sollte. Denn wenn man nicht sofort öffnet, wird Sturm geklingelt. Wenn auch dann nicht geöffnet wird, werden Zahnpastatuben oder Duschgels in die Briefkästen entleert. Dies ist immer ein Hinweis auf tadellose Erziehung, da Sachbeschädigung, wie jeder weiß, zur feinen englischen Art gehört.
An dieser Stelle muss ich nochmal auf den Aufschrei aufmerksam machen, der vor circa zwei Jahren durch mein kleines Dorf ging. Ein Nachbar hat in seinem Garten ein Plakat aufgehängt, welches zur Empörung vieler folgende Aufschrift truTina Halloweeng: ,,Wer bei mir klingelt, wird erschossen!‘‘. Neben einem Dutzend Bettlakenkindern, die panisch zu ihren Eltern geflüchtet sind, wurde doch allen Ernstes die Polizei gerufen. Die haben an diesem Tag ja auch absolut nichts Wichtigeres zu tun. Die alkoholisierten Menschen auf öffentlichen Plätzen werden sich bestimmt noch gedulden können mit den Schlägereien. Auch die zahlreichen Unfallopfer werden ja bestimmt noch ein paar Minuten länger in ihrer Blutlache liegen bleiben können.
Am Ende stellte sich übrigens heraus, dass es, oh Wunder, kein alter Griesgram war, der mit seiner Achtunddreißiger im Gebüsch auf frisches Kinderfleisch gewartet hat. Es war ein junges Pärchen, welches lediglich seine Ruhe am Halloween-Abend haben wollte. Tja, hat wohl nicht so ganz geklappt, was?