Ferien im Krankenhaus

Während der Ferien wurde ich unfreiwillig in eine Situation gebracht, welche mir auf ein Neues gezeigt hat, wie sehr ich Fußball hasse…
Letzten Samstag kriege ich circa gegen 16:00 Uhr den panischsten Anruf meines bisherigen Lebens. Die Stimme meines Kumpels kreischt geschätzte acht Oktaven höher als üblich in den Hörer, dass etwas ganz, ganz Schlimmes passiert sei und ich doch ganz, ganz dringend zum Fußballplatz kommen solle. Nett, wie ich bin, machte ich mich sofort auf den Weg zu besagtem Ort. Dort angekommen, konnte ich mit eigenen Augen beobachten, wie es aussieht, wenn das Bein knieabwärts einen scharfen 90 Grad WinkelNov14_01 nach außen einschlägt. Noch beunruhigender als dieser Anblick, war die Tatsache, dass der Rest der Mannschaft unbeirrt weiterspielte. Ein wenig ratlos wägte ich nun zwei Möglichkeiten ab. Entweder Herr Ungeschickt und ich schleppen uns in die nächstliegende Rettungsstelle oder wir versuchen das irgendwie selbst wieder einzurenken. Da ich aber weder auf ein frühes Wiedersehen mit meinem Mittagsessen Lust hatte, noch eine Zukunft im Rollstuhl für ihn riskieren wollte, entschied ich mich für die Rettungsstelle.
Drei Bahnstationen später waren wir der Rettungsstelle im Krankenhaus schon ein ganzes Stück näher gekommen. Die größte Hürde, ein 800-Meter-Fußweg, stand uns aber noch bevor. Eine bunte Mischung aus verschiedenen Flüchen später, betraten wir endlich die Notaufnahme.
Die Arzthelferin hörte sich geduldig an, was wir zu erzählen hatten und schrieb brav mit. Danach sagte sie routinemäßig, dass wir doch bitte einmal im Wartebereich Platz nehmen sollten. Lustig, wenn man bedenkt, dass mein Kumpel wahrscheinlich einen Extraplatz für den unteren Teil seines Beines gebraucht hätte. Sie kam hinter ihrer Theke hervor und beäugte uns kritisch. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass sie sich gerade fragt, warum sie sich das jeden Tag aufs Neue antut. Jeden Tag kommen hier Hunderte von Leuten her und verlangen nach Hilfe. Das kann die ganze Bandbreite betreffen. Von den typischen Hypochondern, die wegen einem Kratzen im Hals kommen, über Haushaltsunfälle mit Küchenmessern oder Reinigungsmitteln, bis hin zu den Krüppeln, wie wir. Anscheinend hatte sie Mitleid mit uns, denn sie holte einen Rollstuhl, in den sich mein Kumpel erleichtert fallen ließ.
Nach dem Röntgen wurde das Bein eingegipst. Der Arzt belehrte uns, wie ernst die Lage sei und dass Sport und vor allem Fußball für mindestens 12 Wochen tabu sei.
So schlimm das alles auch war, gestern hat mir mein Kumpel eröffnet, dass er nächste Woche wieder zum Training geht. Alles klar, dachte ich mir, dann mach das mal. Hauptsache, du bist dir im Klaren, dass mein Handy ab jetzt auf stumm geschaltet ist.