Ganz alleine?

Tag 2 788

Es sind schon wieder ein paar Tage ins Land gezogen, an denen ich nicht mehr gemacht habe, als mein Haus weiterhin zu gestalten. Vor einigen Tagen habe ich in der Ferne etwas gesehen, was vom Himmel gefallen ist. Aber so ängstlich wie ich bin, habe ich mich dort  nicht hingetraut. Beim besten Willen nicht, auch wenn ich neugierig bin. Von dem Tag an fühle ich mich beobachtet. Irrsinn, ich weiß, aber irgendwie ist das so.

Bald beginnt die Regenzeit wieder. Eigentlich eine ganz gute Zeit. Ich muss mich zwar im Haus aufhalten, aber ich kann die Welt auch von hier drinnen beobachten. In dieser Zeit stelle ich mir vor, wie es wohl gewesen sein muss, bevor es Krieg gab. Ich meine, das muss ja alles unfassbar belebt gewesen sein. Kleine Wookies treffen auf alte Wookies, so ungefähr. Meine Vorfahren sollen auch viele Feste gefeiert haben. Mit allen aus dem Dorf. Zu Festen wurden die Brücken, die von Baumkrone zu Baumkrone hingen, mit frischen, grünen Lianen behangen. Die Kinder bekamen alle eine kleine Kroneopöl aus Grünzeug und die Erwachsen saßen die ganze Nacht beisammen und haben geredet, bis zum Morgengrauen. Man sieht auch noch ein paar Überreste der Plattformen, auf denen alles stattgefunden haben sollen. Auch wenn ich an die schönen Dinge denke, fällt mir immer wieder ein, dass ich hier ganz alleine bin und dass mein ganzes Volk ausgelöscht worden ist. Irgendwie versetzt mich das jedes Mal in Wut und Trauer.

In der Ferne sehe ich ein paar Äste wackeln und frage mich, wie die Katarne die Bombardierung eigentlich empfunden haben. Ich starre auf den Fleck, der sich gerade noch bewegt hat. Doch plötzlich kommt eine Art Faust aus dem Dickicht gekrochen. Das sieht mir aber nicht nach einem Katarn aus.
„Was zur Hölle ist das?“
Das war das Einzige, was mir durch den Kopf schoss.