Der Herbstdonnerstag… Teil II

Mein Herz stockte, als ich die scharfen, langen Klauen in meinem Fleisch spürte. Ein ungeheurer Schmerz zog sich durch meinen ganzen Körper. Langsam tropfte das warme Blut auf mein neues Oberteil. Durch diesen Schock verlangsamten sich meine Schritte. Das Knacken unter meinen Füßen wurde leiser, immer immer leiser, bis ich es irgendwann nicht mehr spürte. Das letzte, was ich mitbekam, war, dass ich auf den Waldboden sank…

Ich wachte durch höllische Schmerzen in meinem Bein auf. Ich richtete mich auf und schaute ängstlich nach, doch da war nichts. Verwirrt betrachtete ich meine Umgebung. Ich lag im Wald, auf einer Sandebene, nicht mehr zwischen dem Gestrüpp. Um mich herum türmten sich Tannen. Dichte, dunkelblaue Tannen. Nicht nur meine Umgebung hatte sich verändert, sondern auch das Klima. Es war schwüler geworden, der Himmel war leicht bedeckt und es roch nach Sommer. Irritiert schaute ich an mir herab. Ich trug immer noch die gleichen Klamotten und die Schnittwunde an meiner Schulter war auch nicht mehr da. Wie konnte das sein? Vor nicht mehr als einer Stunde war ich noch in meinem Zuhause. Wo zur Hölle bin ich?

„Wenn du wüsstest, haha“, denke ich mir. „Oh, renn lieber, Schätzchen, renn. Ahahaha.“ Ich weiß, ich bin nicht die liebreizendste Person auf dieser Erde, aber was soll’s? Es ist schön, böse zu sein. Menschen zu sehen, die aus Furcht unüberlegte Dinge machen, ist sehr interessant. So kann ich die Menschheit weiter erforschen. Sie sind kompliziert, sehr sogar. Einerseits alle gleich, aber andererseits auch nicht. Sie verlaufen alle nach demselben Muster, handeln jedoch alle anders. Jeder auf seine eigene Art und Weise. Ich beobachte die Menschheit schon sehr lange und konnte schon so einiges feststellen, alles sicher aufgehoben, in meinem in Leder eingeschlagenen Buch. Es füllt schon so einige Seiten. Bestimmt würden sich die Menschen noch mehr fürchten, wenn sie wüssten, dass ich von oben auf sie herabschaue. Vielleicht würden sie sich anders verhalten. Doch das will ich nicht. Oh nein. Ich arbeite lieber im Geheimen, in meinem geheimen Ort, in dem ich die ganze Welt sehe und schon förmlich überwachen kann. Es ist so ein gutes Gefühl, mehr zu wissen als die Menschen, hahaha. Warte nur, was auf dich zukommt. Es wird dir sicherlich gefallen…